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Für eine Dezibelsteuer auf Motorradlärm

08.08.11 | | Kategorie | Leserbriefe | RSS | Drucken Drucken

„Biker absolutely not welcome“
Für eine Dezibelsteuer auf Motorradlärm

von Thomas Benedikter, Bozen

Das römische Sparpaket hat eine Zusatzabgabe auf leistungsstarke PKW
eingeführt. Ab 300 PS müssen einige Euro zusätzlich berappt werden,
ganz so als wären Geländewagen mit 299 PS kein Luxus und nicht
umweltbelastend. Bei allen Mängeln dieses Maßnahmenpakets, ist auch
eine weitere Chance der Regulierung von unnötigen PS ungenutzt
geblieben: eine Steuer auf schwere Motorräder. Auch in Südtirol ist
die Schmerzgrenze bei der Verlärmung durch diese Art Maschinen
längst erreicht. Es greift die Erkenntnis um sich, dass man zum
Schutz der Normal-Bevölkerung etwas tun muss. Ich will Hubschrauber,
Rasenmäher und Schwerlastverkehr nicht unterschätzen, aber schwere
Motorräder sind inzwischen das lärmintensivste Freizeitvergnügen:
sie emittieren mehr Lärm als der Flug- und PKW-Verkehr, sie belasten
die Luft und sind gefährlich. Die massenhafte Verbreitung hat dazu
geführt, dass es Millionen Europäer – in Asien und Afrika gibt es
diese Plage nicht – als ihr Recht betrachten, auf allen Straßen mit
maximalem Lärm in kürzester Zeit von 0 auf 100 zu beschleunigen.
Anscheinend verbinden viele dieser Ledermenschen mit Motorradfahren
die ganz große Freiheit, sehen das Drehen am Gashebel als
Selbstverwirklichung. Dazu kommt die infantile Lust am Lärm und das
unsägliche, männliche Imponiergehabe mit den glänzenden PS. Das
Ganze ist ein pathologischer Auswuchs des spätfossilen Zeitalters,
eine irregeleitete Art, aufgestaute Energie mit Lärm und
Geschwindigkeit abzureagieren. In einer liberalen Demokratie könnte
man jedem sein Pläsierchen lassen, doch Motorradfahren belästigt in
so wild befahrenen Gegenden wie Südtirol die ganze Bevölkerung.
Wer das nicht glaubt, sollte im Sommer einen Selbsttest in gewissen
Seitentälern und an Südtiroler Passstraßen wagen. Jeder, der sich
am Wochenende auf die Mendel, den Jaufen oder den Sellapass traut,
braucht kein Rennen in Imola mehr live zu erleben. Der Landesregierung
ist in dieser Situation nichts besseres eingefallen, als mit
öffentlichem Geld für die Timmelsjochstraße zu werben, was dem
ohnehin schon verlärmten Passeiertal einige tausend „Biker“ mehr
besorgt hat. Besser wäre es, wenn das Land endlich nach Vorbild der
Schweiz für Elektrotankstellen sorgte, damit zumindest einige
Einsichtige auf E-Bikes umsteigen können, was technisch durchaus
geht.
Kurzfristig sind Dezibel-abhängige Steuerzuschläge auf Motorräder
unverzichtbar, die auch das Land über seine Zuständigkeit für die
Kfz-Steuer einführen kann. Wer unnötigen Lärm verursacht, soll
zumindest eine Gebühr entrichten. Das Motorradfahren zu verteuern
wäre ein erster Schritt zur Bekämpfung der Biker-Lärmplage und
mindestens so dringend wie Lärmschutzwände an Eisenbahnlinien. Nicht
nur Leute, die an Straßen wohnen, würden aufatmen. Schließlich
sollte der Staat regulierend an der Quelle eingreifen: technische
Geräte, die unnötig verlärmen, verschmutzen und ihre Fahrer zu
hirnrissigen Risiken verleiten, sollten von der Industrie nicht auf
den Markt gebracht werden dürfen.

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