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Wo Heimat mehr ist als Geschäft

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Wo Heimat mehr ist als Geschäft

Der Umstieg auf die erneuerbaren Energien ist ein wichtiges Ziel, dem sich die Politik verschrieben hat. Die Übereile, die dabei an den Tag gelegt wird, ist jedoch verdächtig. Sollen etwa unter dem Eindruck der Atomkatastrophe von Fukushima berechtigte Bedenken gegen manche Großprojekte im Keim erstickt werden? Ist es nicht eine beschönigende Formulierung, wenn es heißt, die erneuerbaren Energien und der Landschaftsschutz „reiben sich“ eben? Zutreffender wäre es zu sagen, dass sich manche geschäftstüchtige Leute die Hände reiben. Damit unsere Heimat aber nicht den Berg und Bach hinuntergeht, braucht es ein genaues Abwägen, wo die Eingriffe vertretbar sind. Aus Geldgier darf es nicht zu einer Verschandelung der Heimat kommen.

Kraftwerkspläne ohne Rücksicht auf Mensch und Natur

Die Achenrainschlucht in Mareit/Ridnaun mit dem Fernerbach ist schon lange im Visier der Gemeindeverwalter von Ratschings. Dass sie bisher unversehrt blieb, ist der im Jahr 1999 erfolgten Unterschutzstellung als Naturdenkmal zu verdanken. Dazu kommt, dass ein Stollenbau durch die geologisch instabilen, steilen Hänge mit beträchtlichen Risiken für die dortigen Höfe verbunden wäre, geht doch dieser Talabschnitt auf einen Bergsturz zurück (Gefahrenzonenplan!).
Das von den Gemeindeverwaltern gewünschte E-Werk-Projekt würde den Bach von Ridnaun bis ins Dorf Mareit zu einer Restwasserstrecke degradieren. Sogar der Erlebnispfad von Schloss Wolfsthurn wäre betroffen. Der 2003 eröffnete Naturlehrpfad ist ein sehr wichtiger Naherholungsraum geworden. Es ist deshalb undenkbar, dass mitten in diese Idylle, wie geplant, das Maschinenhaus für ein Großkraftwerk gestellt wird.

Würdigung einer einmaligen Landschaft

Nach dem Lehrpfad gelangt man auf dem breiten Wanderweg tiefer in den Achenrain. Hier ist der Bach bereits Teil des Naturdenkmals. Beim Hofmannsteg verdichten sich die Eindrücke. Der Bach zieht alle Register, insbesondere bei starker Wasserführung. Wie könnte man es verantworten, ein solches Naturschauspiel durch die Wasserentnahme für ein E-Werk zu zerstören? Ökologisch unsensibel ist auch die Idee – bei Realisierung des Großkraftwerkes – neben der Restwasserstrecke einen Wanderweg zu errichten. Vom einstigen Erzweg aus hat man tolle Tiefblicke zum tosenden Bach hinunter. Die Begehung der alten Erzwegtrasse weckt außerdem die Erinnerung an die Bergbaugeschichte.
Die Achenrainschlucht ist im unteren Abschnitt seit 2004 begehbar. Als Nächstes sollte der Zugang zum Schneidersteg, der sich weiter bachaufwärts befindet, hergestellt und der bereits bestehende Pfad zur Bergnase Kampegg verbessert werden. Von dort wäre der flach verlaufende Weg in Richtung Ridnaun fortzusetzen. Das vielfältige Wanderangebot im Tal ließe dann nichts mehr zu wünschen übrig.
Die Achenrainschlucht ist eine urtümliche Landschaft, wie man sie nur mehr selten findet. Ihr kommt ökologisch ein hoher Stellenwert zu. Für die Erholung suchenden Menschen ist sie einwunderbares Stück unversehrte Natur. Südtirol als Urlaubsland lebt von diesem Kapital.

Rudolf Trenkwalder

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